Herbstkonzert der Bläservielharmonie Hambach

Von Geistern, Phantomen  und Drachen, mit Löwe und Elster 

Hambach, Jülich, Düren: Eine diebische Elster, die zuerst ein Kreuz stiehlt, es in ihr Nest legt, in dem bereits ein gestohlener Silberlöffel entdeckt  wird, mit dessen Hilfe ein Todesurteil verhindert wird. Diese schicksalhaften Wendungen kennzeichnen Giacomo Rossinis Oper „Die diebische Elster“. Dramatisch in den tiefen Bässen und jubilierend im Holzbläsern eröffnete die Bläservielharmonie Hambach mit  Melodien der Ouvertüre ihr Herbstkonzert und nahm die vielen Zuhörer mit auf eine  wunderbare Reise zu Geistern, einem Phantom, Flugdrachen, einem König der Löwen und einigen verwunschenen Plätzen. Beide Dirigenten, Willi Markewitsch und Anna Christina Kleinlosen, steuerten dazu fantasievolle Rhythmen und fetzige Poptitel bei. Ort der klangvollen und begeisternden Reise war die Aula des Mädchengymnasium Jülich.
Nach der klassischen Ouvertüre erschien in einem lange verwaisten halbzerfallenen irischen Schloss der geheimnisvolle Lord Tullamore, charakterisiert durch markante Pauken, heroische Trompeten und mitreißende rasante irische Tanzrhythmen. Aus den tiefen Kellern der Pariser Oper stieg das „Phantom der Oper“ auf,  ein herzzerreißender Schrei, pointiert und überzeugend losgelassen von Angelika Schiffers, einer von acht Klarinettistinnen/en des Orchesters, ließ ganze Publikumsreihen kurz zusammenzucken und leitete eine der dramatischsten Passagen des Medleys ein, mit wunderbaren Melodien fing das Orchester die Zuhörer wieder ein und ließ das Musicalmedley „Phantom der Oper“ sehr sanft und stimmungsvoll enden. Titel aus dem 32. abendfüllenden Zeichentrickfilm der Walt-Disney-Studios aus dem Jahr 1994  „Der König der Löwen“ führten durch die verworrene phantastische Geschichte des Löwenjungen Simba und seine  beschwerliche Suche nach seinem Platz im Kreis des Lebens.
Dragons Fly on the Winds of time, Rivers of life  waren weitere Fantasiereisen, effektvoll, präzise geführt und sehr stimmig in Klänge umgesetzt. Mit „Easy lovers“, „Take me home“ und weiteren Titel von Phil Collins stellte sich das Orchester auch mit dem Genre Popmusik stilsicher vor,  kammermusikalische Passagen, kleine wechselnde Soli und ein dickes Tenorsax-Solo, gespielt von Peter Zillikens, wechselten mit kraftvollen Orchestertuttis. 
Als kleine Hommage an das Genre der Konzertmärsche gab es als Zugabe den  Marschklassiker „Die Regimentskinder“ von  J. Fucik,  in dem das Orchester einmal mehr gerade mit den leisen Tönen sein Publikum an die traumhaften Stereotypen der KuK-Monarchie erinnerte. Mit dem Wiegenlied von J. Brahms beendete das gut 30köpfige Orchester ein bemerkenswertes Konzert, durch das Johannes Urban mit Humor, Geschichtskenntnis und überraschenden Querverbindungen elegant leitete und so einem überaus gelungenen, lockeren und dennoch geschliffenen Konzertabend noch eine feine sprachliche Politur spendierte.

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